NRW hat gewählt. Das Ergebnis überrascht. Nicht generell, aber in seiner Deutlichkeit. Das Bild ist immer das gleiche: Jubel beim Sieger, Niedergeschlagenheit beim Verlierer. Analysen und Kommentare dazu gibt es zuhauf. Eine besondere Aufmerksamkeit jedoch verdient die Art der Kommunikation – die der strahlenden Gewinner, aber auch die der Verlierer. Der Versuch einer Deutung.

 

Schockstarre bei den Verlierern

 

SPD und Grüne haben offensichtlich dieses Ergebnis in seiner Wucht weder erwartet noch vorbereitet. Ein hilflos um Worte ringender Parteivorsitzender Martin Schultz, eine zerknirschte und nach Erklärungen suchende Landesvorsitzende der Grünen Löhrmann. Die Krise der Parteien war in den Personen fassbar. Jegliche Souveränität, jeglicher Führungsanspruch den Weg aus der Krise zu definieren, verendete im Ansatz. Stattdessen gab es lediglich Mitleidsbekundungen für die abgewählte Regierung und die eigene Partei. Die Krise ist gnadenlos, denn sie lähmt. Zumindest in der Situation, in der sie unmittelbar zuschlägt. Kein guter Nährboden für neue Ideen, Ansätze, Visionen oder gar Hoffnung. Aber genau das hätte es gebraucht. Schultz hätte, nach dem Bekenntnis möglicherweise Fehler gemacht zu haben, auch zugleich Wege aus dem Dilemma aufzeigen sollen. Viel klarer, als er das gemacht hat. In solch einer Situation ist Führung und keine Verzagtheit gefragt. Ein klares Versprechen, eine klare Ansage an den Wähler, ihn mitzunehmen und nicht in seiner Verzagtheit zurückzulassen. Orientierung statt Ausweglosigkeit. Das hätte ich mir gewünscht.

 

Die Schadenfreude der Presse

 

Fernab jeder politischen Gesinnung: Die SPD hat es nicht verdient, einem derartigen Journalisten-Bashing ausgesetzt zu werden. Beispiel dazu? Gerne: Vor Wochen noch von Journalisten bejubelt, wird der sogenannte Schultz-Effekt mehr und mehr durch Journalisten kommentiert zur kabarettistischen Lachnummer. Zur journalistischen Sorgfaltspflicht gehören sicherlich die kritische Berichterstattung und Kommentare und Analyse von Ursachen etc. Es darf jedoch nicht dazu führen, ein öffentliches Meinungsbild zu erzeugen, das, um im Bild zu bleiben, dem Wähler vortäuscht dass ein Zug, der einmal auf die Verliererstrecke abgebogen ist, dort auch zwangsläufig entgleist. Hier wünschte ich mir mehr Sorgfalt und klarere Trennung zwischen Berichterstattung und Kommentar.

 

Erstarrt in Ritualen

 

Das Ritualverhalten von Parteien bei den ersten Hochrechnungen: „Es ist noch zu früh, etwas über künftige Konstellation zu sagen“, „zunächst möchte ich all denjenigen danken, die uns geholfen haben“, „wir beteiligen uns zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht an Spekulationen“. Wie wohltuend ist da die klare Kante von Christian Lindner, der sagt, die NRW-CDU sei kein Wunschkandidat für die FDP und umgekehrt. Manchmal braucht es Klarheit auch in der Sprache, um eigene Positionen abzustecken. In einer von Floskeln und lavierenden Statements geprägten politischen Sprachkultur ist das der richtige Weg. Augstein hätte es mit seinem Satz „Sagen, was ist.“ nicht besser zum Ausdruck bringen können.

 

Quo vadis, NRW?

 

Die nächsten Tage werden durch Pragmatismus gekennzeichnet sein. Vorbei die Anfeindung und der Wahlkampfmodus. Jeder wird seine Rolle suchen und womöglich finden. Das ist auch gut so. Und das gehört zum politischen Profidasein. Die CDU wird sich sicherlich damit beschäftigen, ihre eigenen Positionen zu finden. „To put it in a nutshell“, wofür steht die Partei in zwei bis drei Sätzen! Die SPD sollte relativ rasch wieder auf die Beine kommen und unter einer starken Führung ein zweites Mal die Rolle „Phönix aus der Asche“ inhaltlich füllen. Die Grünen, so steht zu befürchten, werden eine längere inhaltliche Positionsdebatte führen müssen, um an ihren Kern zu gelangen. Die FDP kann sich derweil zurücklehnen und sich das Spektakel genüsslich ansehen.

 

Foto: NRW-CDU/Sondermann

Der Beitrag Wahlen in NRW: Kommunikation und Verhalten der Parteien erschien zuerst auf vom Hoff Kommunikation GmbH.