In diesen Tagen ist der Begriff „Fake News“ in aller Munde. Tagtäglich wird er durch den US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump in die Öffentlichkeit getragen. Und je mehr Medien diesen aufgreifen, desto salonfähiger wird der Gebrauch dieses ansonsten so diffamierenden Wortkonstrukts. Wie irrwitzig es doch erscheint, dass ein einzelner Mann – oft selbst in der Kritik der Medien stehend – ausgerechnet dieser Begrifflichkeit solchen Ausdruck verleiht.

 

Doch schon vor Donald Trump gingen die Lager der Populisten und Extremisten mit dem Begriff „Fake News“ hausieren – zwar in der öffentlichen Wahrnehmung weitaus ineffektiver, aber mit gleicher Aussage. Einer nicht gewollten Berichterstattung ist mit einem Totschlagargument eben am Besten beizukommen. Schon Pippi Langstrumpf meinte: „Ich mach‘ mir die Welt, widewide wie sie mir gefällt“. Dass der eigentlich kindlich-fröhliche Satz in der gegenwärtigen Diskussion über „Fake News“ und „Alternative Fakten“ solch einen tragischen Drive bekommt, war sicherlich nicht im Sinne der Erfinderin.

 

Nun leben wir jedoch in einer Welt, in der viele Menschen mit ihren individuellen psychologischen Schreibutensilien Fakten verdrehen und ihre eigenen Welten konstruieren. Fast könnte man bei dieser Analogie meinen, dass Teile unserer Bevölkerung im Zeitalter der „Fake News“ zu einer Horde individueller und doch gruppendynamischer VHS-Lyrikkursteilnehmer mutiert sind. Zwar gab es diese Klientel Mensch bis dato auch schon immer, doch durch das Internet als Vernetzungsmedium ist der Kreis jener Protagonisten weiter angewachsen. Und zwar von einer Gruppe Stammtisch-Schriftstellern zu einer nationalen bis multinationalen Bewegung der Self-Publisher mit Drang zum Crowd-Funding.. Gedealt wird mit Fakten, die der Gruppe gefallen, die sie brauchen, um im Diskurs dagegen halten zu können. Halbwahrheiten inklusive.

 

Auswirkungen auf die externe Kommunikation sind zu erwarten

 

Ein grausiger Gedanke. Nicht zuletzt führt dieser Diskurs dazu, dass sich nicht nur die Medienlandschaft künftig mit dem Vorwurf konfrontiert sehen wird „Fake News“ zu verbreiten oder gar – wie es Donald Trump zuletzt immer wieder suggeriert hat – als Ganzes zu sein. Durch die drohende Salonfähigkeit der zwei Begrifflichkeiten „Alternative Fakten“ und „Fake News“ steht uns auch in der externen Kommunikation von Unternehmen, Behörden und Trägern öffentlicher Belange eine mögliche Konfrontation ins Haus.

 

Gerade dann, wenn wir uns in öffentlich kontroversen Themenfeldern bewegen, besteht künftig die Wahrscheinlichkeit, dass Kritiker die Argumentation aufgreifen und die faktenbasierte Kommunikation per se als Unwahrheiten abstempeln – und durch teilweises Halbwissen aus dem Internet ihre eigenen Fakten schreiben. Bereits heute besteht ein solches Spannungsfeld in dem sich Unternehmen, Behörden und Politik bewegen. Dieses könnte sich jedoch mit eben dieser Veränderung zugunsten von Projektgegnern verschieben. Ein Projektträger gilt von Haus aus als jener Protagonist eines kommunikativen Dialogs, der sparsam mit Informationen, Fakten und Wahrheiten um die Ecke kommt. Diesem Vorwurf gilt es jetzt noch entschiedener zu begegnen.

 

Ein fester Rahmen für die Kommunikation

 

Doch was tun? Seine Kommunikation anpassen und ganz neu Denken? Der Debatte Rechnung tragen und klein beigeben? Die Antwort auf diese Fragen ist simpel wie schwierig zugleich. Es besteht mehr denn je die Notwendigkeit einer faktenbasierten Kommunikation – inklusive klarer Ansagen hinsichtlich der Grenzen der Kommunikation. Und zugleich des Sagbaren – nennen Sie also bereits bestehende Fakten im Vorfeld, um eine Basis zu schaffen, auf derer der Diskurs aufbauen kann.

 

Öffentliche Information und Beteiligung heißt zugleich nicht Geschäftsgeheimnisse offen und transparent darstellen zu müssen, auf jede Anfrage eine Antwort zu haben oder sich dem öffentlichen Druck zu ergeben. Information und Beteiligung meint in klaren Grenzen die Öffentlichkeit über ein Vorhaben aufzuklären oder diese an der Ausgestaltung zu beteiligen. Es heißt in einem geregelten, klar definierten Spannungsfeld zu agieren und beidseitig zu kommunizieren. Es heißt aber auch, dass ich als Kommunikator schon von vorneherein definieren sollte, was ich unter transparenter Information verstehe und was nicht. Somit reduziere ich meine Angriffsfläche und kann in Kombination mit einer faktenbasierten, teilweise mit Storytelling unterstützen Kommunikation dem Vorwurf entgegen wirken. Aber – und so ehrlich muss man zeitgleich sein – dem Vorwurf entgegen zu wirken wird niemals heißen, diesem Vorwurf gänzlich aus der Diskussion herauszuhalten. Denn es wird immer Menschen geben, die sich ihre Wahrheiten zu gerne selber schreiben.

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