Fast fünf Jahre ist es her, dass die New York Times mit dem Online-Feature „Snowfall“ (http://www.nytimes.com/projects/2012/snow-fall/#/?part=tunnel-creek) für Aufsehen sorgte. Grund war nicht nur die packende Geschichte eines Lawinenunglücks, sondern die neuartige Kombination aus Text, Bild, Film und Animation. Das Potenzial dieser Form des digitalen Storytellings erkannten andere Medien schnell. Auch in Deutschland gehören Webreportagen heute zum festen Repertoire des Online-Journalismus. Im letzten Jahr wurde bei der Verleihung des Henri-Nannen-Preises die Webreportage sogar als eine neue Kategorie eingeführt.

 

Multimediale Webreportagen machen den Nutzer zum Regisseur

 

Worin liegt der Reiz von Webreportagen? Einerseits sicherlich in der Verknüpfung verschiedener Formate, mit denen Geschichten digital erzählt werden können. Gab es zuvor entweder einen Text oder eine Bildergalerie oder ein Video, verknüpft die Webreportage diese Medien geschickt zu einer abwechslungsreichen und visuell ansprechenden Gesamtstory. Sind die Videosequenzen entsprechend gedreht, gewinnt der Nutzer das Gefühl, selbst vor Ort gewesen zu sein. Dies kann natürlich durch 360°-Bilder perfekt unterstürzt werden. Andererseits kann der Nutzer entscheiden, in welchem Tempo er sich durch die digitale Story scrollt und mit welchen Aspekten er sich länger beschäftigen will. Reicht ihm ein schneller Überblick über den Text? Oder lässt er sich auch auf alle Video-Sequenzen ein?

 

Auch für Unternehmen und Verbände bietet das digitale Storytelling somit interessante Möglichkeiten. Das erkannte im letzten Jahr zum Beispiel die Stadt Bochum, die sich in einer Webreportage (http://www.bochum-reportage.de/) als moderner Wirtschaftsstandort präsentiert. Unternehmen hingegen reagieren bislang – so zumindest mein Eindruck – eher verhalten auf die neue Form des Storytellings. Vereinzelt finden Scrollytelling-Tools wie Pageflow oder Shorthand Verwendung. Das Potenzial wurde aber noch lange nicht ausgeschöpft.

Woran liegt`s? Ein Punkt ist sicherlich der Aufwand. Eine gute Webreportage braucht nicht nur ein gutes Storyboard, sondern auch Ressourcen. Denn Videomaterial, Animationen und Fotos wollen erstmal produziert werden. Vielleicht ist es auch Unsicherheit, denn der Text für die vorhandene Website schreibt sich so viel schneller.

 

Digitales Storytelling gehört zum Repertoire einer modernen Unternehmenskommunikation

 

Aber: Der Aufwand lohnt sich. Denn eine gut erzählte Story bleibt besser im Gedächtnis als ein nüchterner Website-Text. Gerade komplexe Themen können abwechslungsreich aufbereitet werden. Einblicke in das Unternehmen werden authentischer. Und der Nutzer steigt nicht so schnell aus, wenn er sich selbst durch die Story navigiert.

 

Und es gibt noch einen Grund, warum sich Unternehmen an die neuen Formate heranwagen sollten: Bei der Verleihung des Henri-Nannen-Preises Ende April gewann bereits die erste Snapchat-Story (http://sachor.jetzt/) einen Preis. Auf der Shortlist stand außerdem eine Reportage der Süddeutschen Zeitung (http://gfx.sueddeutsche.de/pages/vr/mittelmeer/#1-die-rettung), die den User im 360-Grad-Video mit zu eine Rettungsaktion auf dem Mittelmeer nimmt. Also aufgepasst, denn die Leser werden sich an die neuen Trends in der Onlinekommunikation gewöhnen und sie bald auch von Unternehmen erwarten.

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