Jeden Tag profitiert jeder von gutem Design, ohne dass dieser Tatsache besonders viel Beachtung geschenkt würde. Als Kunden sind wir bereit, für gut gestaltete Produkte mehr Geld zu zahlen. Das bekannteste Beispiel dafür ist, natürlich wieder einmal, Apple. Hier sind wir gewillt, bis zu 1.000 Euro über den tatsächlichen Warenwert hinaus für ein Objekt zu bezahlen, mit dem man auch einfach telefonieren kann.

 

Design ist damit bloßer Luxus? So könnte man vielleicht denken. Tatsache ist: Erfolgreiche Unternehmen sehen das anders. Ganz gleich, ob es sich dabei um kleine, mittelständische oder Global Player handelt. Denn Produkte, Dienstleistungen oder Ideen, die sich durch gute Gestaltung von der Masse abheben, setzen sich langfristig am Markt besser durch.

 

Erfolgreiche Positionierung durch Design

 

Nach einer Studie des „Rat für Formgebung“ und der Agentur „Scholz&Friends“ geben rund 87 Prozent der befragten Unternehmen an, dass ihr Unternehmen durch Design Marktanteile gewinnen kann. 95 Prozent sagen, dass Design für den Marktwert eine große Rolle spielt und 97 Prozent nutzen Design zur Positionierung gegenüber dem Wettbewerb.

 

In einer aktuellen Studie des British Design Council, die in England 1.500 kleine, mittelständische und große Firmen aller Sparten einbezog, wird festgestellt: Wer nicht in den Bereich Gestaltung investiert, bereitet mit einer 50-prozentigen Wahrscheinlichkeit langfristig den eigenen Abstieg vor.

 

Design steigert Kundenzufriedenheit und -bindung

 

Aus Agenturperspektive kann ich festhalten: Design wird nur als verhandelbarer Kostenfaktor gesehen.

 

Warum ist das eigentlich so? Festzuhalten ist: Design schafft Aufmerksamkeit. Und die ist angesichts der heutigen Marktsituationen auch dringend nötig – denn die rein technischen Unterschiede der Produkte schwinden für Verbraucher zunehmend. Ein Problem, für das eine machbare Lösung existiert: das einzigartige Produkt- oder Marken-Gesicht, das Unterschiede erkennbar macht.

 

Denn nur was sich deutlich vom Rest unterscheidet, mit dem beschäftigen wir uns auch intensiver. Das kommt auch da an, wo letztendlich über Erfolg oder Misserfolg entschieden wird, nämlich im Kundengedächtnis.

 

Design zeigt und erläutert dem Verbraucher, dass er es mit einem durchdachten Produkt zu tun hat. Das bedeutet ja nicht nur, dass ein Gegenstand eine schöne, ästhetisch ansprechende Form hat. Gute Gestaltung vermittelt die Funktion und schafft damit ja bereits einen Mehrwert. Hier liegt ein Schlüssel zur Kundenzufriedenheit.

 

Gleichzeitig entsteht durch designgetriebene Kommunikation eine stärkere emotionale Bindung an das Produkt. Design schafft damit „Bedeutung“ und im besten Fall „Verlangen“. Unternehmen, die visuell Charakter zeigen, rücken damit automatisch in die engere Wahl.

 

Design schafft also Markenwert durch visuelle Kommunikation. Eine Vernachlässigung der Gestaltung, beim Produkt ebenso wie in der Kommunikation, wird ganz einfach von der Marktrealität abgestraft – durch Nichtbeachtung des Produkts oder des Unternehmens.

 

Design – Investition statt Kostenfaktor

 

Design findet überwiegend im Geschäftsumfeld Anwendung. Daher müssen wir, wenn wir den Wert von Design beurteilen wollen, es mit den Maßstäben messen, mit denen der Erfolg von Unternehmen beurteilt wird: Profitabilität, Innovation und Nachhaltigkeit. Design ist damit kein Kostenfaktor.

 

Differenzierung ermöglicht eine bessere Positionierung in den Köpfen der Käufer und Verbraucher. Und eine solche Positionierung verschafft dem Unternehmen in gesättigten Märkten eine Reihe wirtschaftlicher Vorteile.

 

Je früher die Wege und Ziele strategisch definiert werden und in das Design miteinfließen können, desto kostengünstiger und treffgenauer sind die Entwicklung, die Produktion und das Marketing.

 

Design ist damit eine wichtige unternehmerische Investition. Als strategisches Tool verschafft es Unternehmen, unabhängig von ihrer Größe einen konkreten Mehrwert, der zum nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg führen kann.

Konkret können diese sieben Markenziele durch Design erreicht werden:

 

  1. Differenzierung
    Visuell schwach geprägten Produkten oder Unternehmen fällt es schwer, sich in den Köpfen der entsprechenden Zielgruppe zu verankern.
  2. Definition
    Eigene Marktpositionen werden gefestigt und ausgebaut, da durch visuelle Kommunikation Kategorien geprägt werden können. (Man sucht kein papierbasiertes Zellulosetuch – sondern ein Tempo)

Differenzierung und Definition – schaffen mentale Verankerung

  1. Bedeutung
    Ein klar formuliertes Design prägt und kommuniziert langfristig alle strategischen Maßnahmen und transparente Wertevorstellungen.
  2. Auswahl
    Unternehmen benötigen eine verständliche Wahrnehmung, um als relevant eingestuft zu werden.
  3. Sympathie
    Damit steigert ein Unternehmen bewusst seine Attraktivität gegenüber Kunden, aber auch gegenüber potenziellen Mitarbeitern.

Bedeutung, Auswahl und Sympathie – beeinflussen unser (Kauf)Verhalten

  1. Synergie
    Durch gelebtes Design in allen Kanälen wird eine „Marke“ stabiler etabliert.
  2. Effizienz
    Durch konsequentes Design wird Identifikation ermöglicht.

Synergie und Effizienz – erleichtern Entscheidungen

 

Die Investition in Design ist damit sinnvoll und im Hinblick auf die Wertsteigerung des Unternehmens essentiell. Design vermittelt Produkte und Services. Es transportiert Botschaften, Identität und Visionen. Marken werden dadurch erlebbar.

 

Marketingverantwortliche und Entscheider können mit Hilfe von Design strategisch wichtige Maßnahmen erarbeiten und nutzen, um sich krisensicher zu positionieren und relevante Differenzierungspotenziale auszuschöpfen. Solche Maßnahmen sind langfristig angelegt und gewinnen mit den Jahren weiter an Wert.

 

Rüdiger Quass von Deyen ist Partner der Designagentur KD1, Professor für Kommunikationsdesign an der Münster School of Design (MSD) der FH Münster und Gründer von Neudenken.Now – Studio für forschen, kommunizieren und gestalten an der MSD.

Der Beitrag Design denken. Mehrwert schaffen erschien zuerst auf vom Hoff Kommunikation GmbH.