Die Losung unserer Zeit lautet: Let’s go digital – zu 100 Prozent, mit jedem Bit und Byte, alles auf Festplatte oder in die Cloud, offline ist doof! Plötzlich ist alles digital, von der Tageszeitung bis zum Fitnesstracker an unserem Armband. Neue Welt, wir kommen!

 
Da sei die Frage erlaubt: Kann die reale Welt überhaupt noch ohne ein virtuelles Pendant? Sind wir schon Sklaven binärer Befehle? Schließlich wurde unser Telefon zur „Daddel-Konsole“, unsere Kühlschränke schreiben unsere Einkaufszettel, unsere Heizung und jeder Rollladen im Haus wird aus dem Netz gesteuert. Seit Jahren debattieren wir über die Chancen und Gefahren künstlicher Intelligenz, die inzwischen so ausgereift ist, dass sie anstelle von Menschen Entscheidungen treffen könnte.

 
Davor – und nicht nur davor –  haben viele Menschen Angst. Zu Recht!

 
Denn wo bleibt der Mensch, dieses analoge Wesen, das durch seine Entwicklungsgeschichte lange nur einen Offline-Modus für das Leben kannte? Wo bleibt Kommunikation, bei der man nicht auf ein Display, sondern in die Augen des Gegenübers schaut – und damit meine ich jetzt keine visuelle Kommunikation a la Snapchat -? Wo werden Botschaften transportiert, die man, weil auf Papier gedruckt – mit dem Stift unterstreichen, „erfühlen“ und an die Pinnwand (kennt die noch jemand?) heften kann.

 
Ein Blick in die morgendliche Straßenbahn, randvoll mit Fahrgästen, die stumm in ihre Bildschirme starren, lässt uns erahnen, dass uns die Digitalisierung der Kommunikation schon voll erwischt hat: Und was ist dabei herausgekommen? Stille, denn keine Zeitung raschelt mehr – und – schlimmer noch: niemand spricht, nicht einmal die Schüler, die sich vor ein paar Jahren noch lautstark über die Schule an sich und die Lehrer im Speziellen beschwert haben. Jetzt fangen sie lieber Pokemon oder schauen sich Youtube-Videos mit Influencern an, die den Inhalt ihrer Drogeriemarkteinkaufstüte werbewirksam und wortreich erklären.

 
Mag sein, dass die Digitalisierung nicht aufzuhalten ist, mag sein, dass Industrie ohne Digitalisierung heutzutage nicht mehr wettbewerbsfähig ist, mag sein, dass Digitalisierung unsere Horizonte erweitert.

Digitalisierung an sich ist weder gut noch böse. Sie ist, was wir daraus machen. Und bei all den Vorteilen, die sie für uns bietet, sollten wir darüber die direkte menschliche Interaktion, die uns zu sozialen Wesen macht, nicht vergessen. Wir sollten also aufpassen, dass uns die Digitalisierung nicht das nimmt, was uns menschlich macht: die Fähigkeit, das Gegenüber zu erkennen, das Gesagte (!) im Kontext zu verstehen, um die Chance zu haben, das Große und das Ganze zu erkennen und nicht nur kleine Teile – Bits und Bytes eben.

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